Wie kam es dazu?

Vor vielen Zehntausenden von Jahren lernte der Mensch, das Feuer zu beherrschen – seine einzige Lichtquelle für lange, lange Zeit...

Nur war sie nicht effektiv genug, an sich ein wenig gefährlich und irgendwie auch ein bißchen umständlich. Und deswegen mache ich hier jetzt auch einen Schnitt und lasse ein paar Jahrtausende weg. ,-)

Obwohl... einen nicht ganz ernstgemeinten Abriß dieser Zeit kann ich eigentlich doch geben.

So um und bei 1800 gab es dann Versuche, die Effizienz von Öllampen zu steigern. Unter anderem wurde auch damit experimentiert, Dochtlampen unter Druck zu setzen, um durch höheren Brennstoffdurchsatz mehr Licht zu erzeugen.

Dann wurde es richtig interessant: Carl Auer von Welsbach, ein Schüler von Robert Bunsen, entdeckte einen Leuchteffekt auf einem präparierten Seidenglühkörper, der von einer Flamme erhitzt wurde.

Er schaffte es im Jahre 1885, einen (wie wir heute sagen würden) serienreifen und stabilen Glühkörper herzustellen. Die Beschichtung bestand aus dem radioaktiven Thorium und Cer im Verhältnis 99:1. Somit tut das Thorium seinen Dienst in zwei völlig unterschiedlichen Gebieten: Der Beschichtung von Glühkörpern und (heutzutage) dem Einsatz in Brutreaktoren. Auf beide Arten kann man aber Licht erzeugen. ,-)

1906 stellte die schwedische Firma Aktiebolaget Aladin druckbetriebene Lampen mit Glühkörpern her, die bereits eine Vorwärmeinrichtung zum Anlassen besaßen. Während des Betriebes wurde das Steigrohr dann durch die Wärme des Glühkörpers geheizt, um so den Brennstoff zu vergasen. Dieses Prinzip setzte sich fortan durch, und klangvolle Namen aus Schweden wie Primus® und Optimus® stehen auch heute noch für hochwertige Lampen und Kocher. Letztere haben zwar keinen Glühkörper, funktionieren aber ansonsten genauso:

Der Brennstofftank wird unter Druck gesetzt, und nach dem Vorwärmen wird der Vergaser durch die Flamme selbst beheizt.

Auch in Nordamerika wurde um diese Zeit an ähnlichen Lösungen gearbeitet. Arthur Kitson entwickelte Mitte der 1890er Jahre ebenfalls eine druckbetriebene Vergaserlampe, die er jedoch erst 1898 zum Patent anmeldete. Diese Lampe enthielt bereits technische Merkmale, die sich bis heute verfolgen lassen.

Ein Name, der ebenfalls bekannt sein dürfte, ist Coleman®. William Coleman, der eigentlich Schreibmaschinen verkaufte, war um die Jahrhundertwende derart angetan von den Lampen, die von Irby and Gilliland gebaut wurden, daß er sich entschloß, sein Unternehmen aufzugeben und stattdessen Lampen verkaufte...

Nordamerika setzte auf Petroleum als Brennstoff, in Europa wollte man diese und ähnliche relativ leichtflüchtigen Brennstoffe eher meiden und Kerosin oder Paraffin verwenden – wahrscheinlich wegen der höheren Bevölkerungsdichte und der damit größeren Gefahr, die von einem Brand ausging. Paraffin wäre an sich sehr vorteilhaft. In flüssiger Form allein ist es völlig ungefährlich: Ein hineingeworfenes Streichholz wird gelöscht.

Um 1920 war das standardmäßige Erscheinungsbild der Tischlampen in etwa wie folgt:

Nach und nach kamen dann noch Verbesserungen wie z.B. eine Reinigungsnadel für die Vergaserdüse, eine Spiritusschale oder ein Vorwärmbrenner zum Anheizen der Lampe. 1910 meldete der Australier J.P. Preston ein Patent an, das einen Vergaser mit einer Wendel um den Brenner herum zum Gegenstand hatte. Diese Wendel wurde vom Vergaser im Betrieb beheizt und führte so zu einer besseren Verdampfung des Brennstoffs. Produziert wurde dieser Vergaser nie. Erst 1922 wurde die Idee wieder aufgegriffen, und zwar bei Jacob Hirschhorn. Eine entscheidende Verbesserung gegenüber dem Preston-Patent bestand darin, daß die Verdampferwendel schraubenförmig ist (Ober- und Unterende auf verschiedenen Höhen). Die Fertigung war wesentlich einfacher und die Funktion perfekt.

1926 wurde das Prinzip von Erich und Graetz für ihre Petromax®-Lampen übernommen, und ab 1930 war es auch bei anderen Lampenherstellern wie Primus® und Optimus® verbreitet. 1931 erhielten W.B. Engh und C.W. Davis in den USA für die Aladdin Company ein Patent auf derartige Vergaser.

Bei Tilley® ging man noch einen anderen Weg: Man ließ das Vergaserrohr durch den Glühkörper verlaufen. So ergab sich eine gute Beheizung und gleichzeitig schattenfreies Licht. Auch in Lampen von Vapalux wird dieses Konstruktionsprinzip noch verwendet, und das seit nunmehr über 70 Jahren.

Zurück nach Europa: 1910 arbeitete der Berliner Max Graetz an einer ähnlichen Lampe, die für die Firma Ehrich und Graetz in Europa zu einem Verkaufsschlager wurde:

Die Petromax®-Lampe!

Max und sein Bruder Adolf waren Direktoren des Familienunternehmens Ehrich und Graetz, das sich mit Gas- und elektrischem Licht sowie anderen Elektrogeräten befaßte. Um 1917 stand ein breitgefächertes Sortiment an starken und zuverlässigen Drucklampen zur Verfügung; daneben auch Dochtlampen, Heizgeräte und druckbetriebene Kocher.

Gegen Ende der 20er Jahre fertigte das Berliner Unternehmen Diamco auch Glühkörper mit dem Petromax®-Zeichen.

Von nun an wird die Firmengeschichte etwas verworren... Anfang der 40er Jahre (wahrscheinlich 1943) wurde aus Ehrich und Graetz die Firma Graetz. Auch das Logo auf den Lampentanks änderte sich geringfügig:

Detailfoto: Petromax(R)-Logo bis 1943
...bis 1943
Detailfoto: Petromax(R)-Logo nach 1943
...nach 1943

Die Firmenlogos von Petromax®

Vor 1943 war ein großes 'E' von einem großen 'G' umschlossen. Von nun an fehlte dieses. Dennoch trat der Name Petromax® seinen Siegeszug um die Welt an, und die Lampen werden heute noch gefertigt.


Über die Brennstoff-Frage gibt es ebenfalls viele kaum oder gänzlich unbestätigte Gerüchte. Tatsächlich waren die ersten Petromax®-Lampen darauf ausgelegt, mit fast jedem flüssigen fossilen Brennstoff zu arbeiten, jedoch mußten dann – je nach Qualität – andere Vergaser und Düsen verwendet werden.

Heutzutage kann man vielleicht noch Diesel oder Citronella-Öl verwenden, allerdings wird dies die Lebensdauer der Brennerteile zumindest verkürzen, wenn es nicht sogar gefährlich ist. Die absolute Empfehlung lautet daher, nur reines Petroleum zu verwenden. Das ist am sichersten für Mensch und Maschine! ,-)

Andere bekannte Namen, die mit druckbetriebenen Starklichtlampen in Zusammenhang gebracht werden, sind Geniol® bzw. GENIOL® und AIDA®. Erstere sindEigentum der Firma Heinze (Wuppertal), letzterer gehörte zur deutschen AIDA Gesellschaft für Beleuchtung und Heizung. Hier haben die Recherchen von Jürgen Breidenstein, Stuga-Cabaņa (www.hytta.de) ein wenig für Klarheit gesorgt.

Ja, Geniol® bzw. GENIOL® sind unterschiedliche Marken, nicht nur unterschiedliche Schreibweisen! Geniol® steht seit 1959 für Teile von Beleuchtungs-, Heiz-, Koch und Trockengeräten, insbesondere für Glühkörper. Der Name GENIOL® in Großschreibweise wurde 1971 geschützt und bezeichnet erstmals komplette Lampen und Kocher sowie nun auch elektrische Heiz- und Beleuchtungsgeräte

Die Firmengeschichte von AIDA® ist ein wenig verworren. Wer mit englischen Texten klarkommt, kann sich einfach bei Pressure Lamps Unlimited die Seite über AIDA® ansehen. Das Wichtigste habe ich hier übersetzt:

Foto: AIDA(R)-Logo auf dem Pumpenknopf

Auf manchen älteren Lampen findet man auf dem Pumpenknopf ein Bild eines Hirschen mit einem um den Bauch gewundenen Horn. Dieses Bild zusammen mit seinen Initialen "J.H." hat sich der Berliner Jacob Hirschhorn 1899 als Markenzeichen schützen lassen. Um 1906 änderte sich dieses Logo, die Initialen verschwanden. Das Logo bestand jetzt nur noch aus dem Bild. Gleichzeitig erwarb er die Rechte an dem Markennamen AIDA®.

Später änderte sich auch der Firmenname in Hirschhorn AG. Im Jahre 1926 arbeiteten Hirschhorn, Ehrich&Graetz, Continental-Licht (Ff/M.) und die Hugo Schneider AG aus Leipzig zusammen an einer hochwertigen Lampe und erhielten darauf das Patent Nr.461698-AD. 1926.

Es wird vermutet, daß aus diesem „Urtyp“ von Lampe bei Ehrich&Graetz die Petromax® hervorging, während die Hirschhorn AG den Markennamen AIDA® verwendete.

Die Markennamen AIDA® und Petromax® traten in den 30er-Jahren zusammen in Anzeigen auf und zeigten sehr ähnliche Modelle. Es wurden auch Lampen gefunden, die beide Markenzeichen auf dem Tank tragen. Welche Beziehung zwischen diesen beiden Firman bestand, ist unklar; fest steht jedoch, daß im Jahre 1943 die Firma AIDA® in Berlin ihre Anschrift in der Elsenstraße 87/88 hatte, während die Graetz Aktiengesellschaft nach dem Ausscheiden von Ehrich aus der Firma in der Elsenstraße 87/96 anzutreffen war.

Im Jahre 1959 ging AIDA® dann in der Graetz KG auf und existierte nicht mehr als eigenständiges Unternehmen, obwohl schon vorher im Besitz der Familie Graetz. Es ist übrigens dieselbe Firma Graetz, die auch die berühmten Radio- und Fernsehapparate hergestellt hat.

Jürgen Breidenstein hat auf seinen Seiten noch umfangreiche Infos zusammengetragen, die in die Zeit zurückreichen, als man bei der Ehrich&Graetz OHG noch Dochtlampen fertigte.