Titolandi

Tito-Landi

Typ: Tito-Landi Spiritus-Glühlicht, ursprünglich Benzinbetrieb

Baujahr: Nicht bekannt. Diese Lampen wurden ab 1920 in Paris hergestellt. So alt wird diese aber vermutlich nicht sein.

Namensgebung: Eine davon zu haben ist schon Glück. Insofern mache ich mir gar nicht erst Gedanken, ob es eine zweite geben wird.

Anschaffung: Januar 2005.

Zustand: Komplett bis auf Glühkörper, Handrad drehte durch, ansonsten Top-Zustand, allerdings mit falschem Glaszylinder.

Besonderheiten

Es handelt sich hierbei um eine Vergaserlampe mit drucklosem Tank für Spiritusbetrieb. Vergaser und drucklos, wie geht denn das?

Es entsteht schon Druck, aber nur direkt im Vergaser, und zwar Dampf- oder Gasdruck. Ein Bündel aus Dochtschnüren fördert aus dem Tank durch Kapillarkräfte Brennstoff in den Vergaser. Dieser wird zum Anzünden mittels Spiritus vorgewärmt und beheizt sich im Betrieb selbst, wie wir das von den Starklichtlampen auch kennen. Dadurch verdampft der Brennstoff – und nun entsteht Druck, der das Gas durch die Düse treibt. Durch seitliche Bohrungen kommt Luft dazu, und es entsteht ein brennbares Gemisch, das oberhalb eines Rückschlagschutzgitters verbrennt.


Tito-Landi Vergaser und Düse

Wer sich bei dem rechten Bild an den Chemie-Unterricht erinnert fühlt, liegt gar nicht falsch: Es handelt sich tatsächlich um einen Bunsenbrenner, und dieser erzeugt durch das richtige Mischungsverhältnis zwischen Brennstoff und Luft eine blaue, „nichtleuchtende“ Flamme, die dafür aber sehr warm ist. Und genau diese Wärme ist es, die durch den Glühkörper Licht erzeugt – das Auer'sche Glühlicht (vgl. Geschichte). Einen ähnlich konstruierten Vergaser mit Docht besitzen übrigens auch die kleinen, pumpenlosen Benzinkocher wie z.B. der Primus Turistskij oder der Barthel« Juwel 34 – allerdings hat dort der Tank keine Entlüftung, sondern baut durch die Erwärmung Druck auf.

An der Düse scheiden sich bei der Tito-Landi die Geister: Die größere Bohrung (ca 0,8mm) ist für Spiritusbetrieb, die kleinere (ca. 0,3mm) für Benzin. Ansonsten sind beide Typen meines Wissens äußerlich nicht zu unterscheiden. Andere Merkmale wie Brennerform (eingeschnürt oder nicht), Glasform oder die Tankform (eine oder zwei umlaufende Rillen) haben sich als Mutmaßungen entpuppt. Lediglich die Füllung des Tanks mit saugfähigem Material scheint nur bei der Benzinversion vorhanden gewesen zu sein.


Tito-Landi Vergaser ausgebaut

Hier sieht man den Vergaser in ausgebautem Zustand. Weiter ist er bis auf das Herausschrauben der Ventilspindel nicht schmerzfrei zerlegbar – es tut auch normalerweise nicht not. Nur falls die Dochtfäden von schlechtem oder altem Sprit verdreckt sind, sollte man sie herauszupfen und neue einsetzen. Das ist etwas knifflig; am besten auf genaue Anzahl, Beschaffenheit und Anordnung der alten Dochte achten und genau so wieder reinstopfen.


Titolandi Tank Titolandi Schwamm

Offenbar als Auslaufschutz bei versehentlichem Umkippen der Lampe dient bei der Benzinversion die Stopfung des Tanks mit einer flockigen Masse, die ich als Naturschwamm identifizieren möchte. Zusammen mit dem Docht bei eingesetztem Brenner bleibt so kaum freier Raum, und der ganze Brennstoff ist in „gebundener Form“, also aufgesaugt, im Tank.


Titolandi vorwärmen

Unten zwei Vorwärmgabeln, die ich mir aus Draht und Glasfaser-Ofendichtschnur gebastelt habe. Sie werden in Spiritus getränkt und durch die Aussparung unter der Galerie an den Vergaser geklemmt und angezündet. Wie das Original aussieht, weiß ich leider nicht – diese mehr oder weniger uneleganten Eigenbauten erfüllen jedoch ihren Zweck (links).

Vorwärmgabeln für Tito-Landi

Ganz wichtig ist noch die Entlüftungsbohrung an der Tankunterseite: Sie steht im Tankinneren mit einem Röhrchen in Verbindung, das zur Tankoberseite führt, ziemlich an die höchste Stelle. Sinn und Zweck der Anordnung ist es, den beim Erwärmen des Tanks auftretenden Überdruck nach außen zu führen, so daß nicht dadurch mehr Brennstoff in den Vergaser gedrückt wird. Um ein Abflammen der zündfähigen Gase zu vermeiden, ist die Austrittsstelle eben weit weg vom Brenner an die Unterseite gelegt worden.


Ihre Geschichte

Leider weiß ich nichts aus ihrem Vorleben, und auch vom Zustand her kann ich auf nichts schließen. Sie hat eine Delle im Tank, war aber nicht sonderlich verdreckt oder korrodiert. Gut, in der Vertiefung im Tank, die den Vergaser aufnimmt, waren Staub und Glühkörperreste der Jahre bis Jahrzehnte zu finden, das Handrad ist abgegriffen und ein bißchen aufgequollen – sonst aber keine großartigen Spuren.

Was war zu tun?

Zuerst einmal mußten ein passender Glaszylinder sowie Glühkörper beschafft werden. Der von einem Vorbesitzer aufgesetzte Kosmos-Zylinder gehört hier nämlich nicht rauf; ein glatter Zylinder ohne Wölbungen und Einschnürungen wie bei den meisten Glühlichtern ähnlicher Bauart ist angesagt.

Original-Glühkörper sind nicht mehr zu bekommen, man muß etwas basteln. Gaslicht-Mäntel vom Typ Veritas Upright Gas Mantle Typ G-916 (zu beziehen bei www.hytta.de) können passend gemacht werden. Einzelheiten folgen, wenn ich eine zufriedenstellende Lösung ausgearbeitet habe. Bis dahin gibt's Bastellösungen aus Petromax«-kompatiblen Glühkörpern.

Es scheint so, als ob die Glühkörper serienmäßig durch Einhängen in die Gabel auf dem Brenner befestigt wurden. Je nach Erhaltungszustand der Lampe ist diese Gabel entweder vorhanden – oder auch nicht. ,-) Wenn sie da ist, kann man sie irgendwie benutzen. Wenn sie fehlt, hat man ziemlich viele Möglichkeiten, sich etwas zurechtzubasteln, ohne Teile zu zerstören. Die Gabel ist nämlich einfach in eine Bohrung gesteckt. Sie paßt ohnehin nicht für die Veritas-Mäntel, von daher kann man sich aus Kupfer, Messing oder Stahl eine Gabel bauen, die zum Mantel und zur Lampe paßt.

Tito-Landi Bastelsocke

Was als Provisorium ganz gut funktioniert:


Tito-Landi Handrad

Das nächste Problem war das Handrad, das auf der zum einen verbogenen Achse noch dazu ziemlich lose saß, bis es irgendwann komplett durchrutschte. Es ist aus Pertinax gefertigt und hat in der Mitte eine quadratische Aussparung... gehabt! So entstand Kraftschluß zum Vierkant der Achse. Da war also nichts von nach – und die verbogene Achse brach beim Versuch, sie zu richten. Mit etwas Messingrohr, einem Rundmessingstück, einem Gewindeschneider und einer Mutter sowie dem Gasbrenner und etwas Kupferlot war dem Übel aber abzuhelfen. Sieht jetzt natürlich nicht ganz original aus, aber ich gehe davon aus, daß weder Ventilspindel noch Handrad nachzubekommen sind. ,-)


Düsen

Das Gewinde ist fast M8, aber eben nur fast. In Wahrheit ist es sicherlich wieder – wie so oft – ein zölliges „Hausgewinde“. Petromax«-Düsen haben ein Gewinde sehr ähnlich M7x1, also zu klein. In Anbetracht des niedrigen Betriebsdrucks kann man sie aber trotzdem verwenden und mit reichlich Teflonband oder Glasfaserschnur und hitzebeständiger Dichtmasse einsetzen.

Da mir persönlich die Geschichte zu wackelig war, habe ich die Petromax«-Düse noch ein bißchen modifiziert, indem ich sie mit dem Gasbrenner warmgemacht und mit einem leichten Hammer vorsichtig gestaucht habe, bis mir das Gewinde zumindest am unteren Ende eher nach 8 als 7 Millimetern aussah. Ich habe sie mit Glasfaserfäden und vorerst ohne Dichtmasse eingesetzt – hält. Die perfekte Lösung ist sicherlich die Fertigung einer neuen Düse mit (wenigstens halbwegs) passendem Gewinde. Mit einer Drehbank kein Problem – leider habe ich keine. Aber zum Testen hat es so gereicht. :-)

So habe ich dann nach entsprechenden Vorversuchen mit Petromax«-Düsen die Originaldüse (nein, eben nicht – war ja die falsche) auf 0,8mm aufgebohrt, um die Lampe auf Spiritusbetrieb umzurüsten.

Mein spezieller Dank für Tips und Tricks an: Sven Zigelski, Wim van der Velden und Ludwig Gebauer – alle zu erreichen im Petromax-Forum (ohne Euch hätt' ich die Lampe wieder verkauft...)

Nachtrag #1 vom 28.06.2005

Ich habe mich heute, da vom Transport am letzten Wochenende der Glühkörper ohnehin abgerissen war, nochmal mit der Problematik befaßt. So die Haltegabel noch vorhanden oder eine paßliche nachgebaut wurde, kann man modifizierte Zweiloch-Glühkörper mit nicht vorgeknoteten Fäden der Baugröße 500HK verwenden, z.B. von VERITAS«. An einem Ende wird der Anbindefaden durch dünnen Stahldraht (Blumenbindedraht) ersetzt. Das geht am besten, wenn man den Draht zu einer Schlaufe umlegt, ein Ende des Anbindefadens dort einlegt und die Drahtschlaufe mit einer Zange zudrückt. Nun kann man den Glühkörper vom Faden auf den Draht überfädeln, wobei man den Draht zunehmend rund biegen muß. Ist man einmal herum, werden die Drahtenden verzwirbelt und abgekniffen. Den Drahtring formt man um die Zeigefingerspitze herum halbwegs rund.

Sodann wird noch ein Stück Bindedraht eingefädelt, und zwar so, daß er auf einer Seite unter dem runden Drahtring liegt, durch den Mittelpunkt der Öffnung geht und auf der anderen Seite unter dem Drahtring wieder herauskommt. Mit dem freiliegenden Ende formt man nun einen doppelten Tragebügel wie im Bild rechts. Die Enden werden verdrillt und abgekniffen.

Wichtig ist, daß die untere Anbindung möglichst weit oben am Brennerrohr erfolgt und nicht zu festgezogen wird, sonst reißt das Gewebe schon beim Abflammen.

Das Abflammen geschieht auch hier ohne Glaszylinder, und am besten läßt sich die Sache händeln, wenn zur Montage des Glühkörpers die komplette Galerie abgenommen und erst nach dem ersten vorwärmen und Aufblasen des Strumpfes vorsichtig wieder aufgesetzt wird – ansonsten besteht die Gefahr, daß das Gewebe sich irgendwo an den Zacken verfängt.

Titolandi Glühstrumpf Titolandi Glühstrumpf abflammen Titolandi leuchtet

Nachtrag #2 vom 29.01.2009

Titolandi 5er-PackSchrieb ich doch anfangs, eine davon zu haben... – so begab es sich also zu der Zeit um Dezember 2008 herum, daß ich auf ein Angebot aufmerksam gemacht wurde: 5 Titolandis komplett mit Zubehör, original aus Frankreich. Ich schlug zu, und die Fünf entpuppten sich als ungebrannte Lagerware, ausschließlich mit Alterungs- und Lagerspuren.

Aus den Tanks kam mir grüner Staub entgegen, der auch in den Dochtbüscheln saß: Es dürfte sich hierbei zu einem großen Anteil auch um Oxide der verwendeten Metalle gehandelt haben, und einem Tank war auch deutlich anzusehen, daß er eine Weile liegend in einem Stahlblechbehälter mit Wasser verbracht haben mußte, denn auf Messing entstehen Rostflecken in dieser charakteristischen Form nicht von alleine.

Vergaser gelötetSei es aus Sprödigkeit durch Alterung, sei es eventuell durch mechanische Belastung – die äußeren Rohre zeigten alle Risse. An dieser Stelle sind sie im Betrieb weder thermisch noch mechanisch sonderlich belastet, so daß sie sich durch Weichlöten gut reparieren lassen. Und wo ich da gerade mal bei war, bot es sich an, auch bei meiner ersten Titolandi nach dem Rechten zu sehen, denn sie schwächelte doch deutlich bei der Lichtabgabe und außerdem wurde der Tank warm: Ein Zeichen dafür, daß irgendwo das warme Gas nach unten entweicht. Die Gelegenheit habe ich gleich genutzt, um Fotos eines komplett zerlegten Vergasers zu machen.

Vergaser zerlegt

ZylindermarkungDie mitgelieferten Zylinder waren samt und sonders alte, gemarkte Originale, die bei den bei mir verbliebenen Lampen auch nur als Anschauungsmaterial dienen und nicht in Betrieb kommen. Dafür gibt es ja hoffentlich auch weiterhin neuzeitliche Zylinder...

Vorwärmgabeln, Reinigungsnadeln

Der einzige originale Glühkörper aus dieser Lieferung war leider in der Packung zerbröselt, aber die originalen Vorwärmgabeln und Düsennadeln hatte ich auch noch nicht. Die Vorwärmer lasse ich wegen der Asbestwicklung auch schön in einer verschlossenen Tüte; zum Gebrauch habe ich mir Gabeln mit Glasfaserschnur bewickelt.

Titolandi IITitolandi IIIDieses eine Stück links habe ich nur grob geputzt, das rechte Exemplar hingegen poliert und zapon-lackiert. Augenfällige Unterschiede zum eingangs gezeigten Exemplar sind der Blechkragen der Galerie und das Handrad. Hier sind einfachere Formgebung und modernere Materialien zu sehen, die Lampen dürften somit aus den 1950er Jahren stammen.

Ebenfalls unterschiedlich sind die Tanks. Mein erstes Exemplar war ja ursprünglich eine Benzinerin und ist erst von mir auf Spiritus umgebaut worden. Diese fünf hier sind alle mit Spiritusdüsen versehen, haben keine Schwammfüllung – dafür aber zwei umlaufende Rillen im Tank. Hängt dies nun doch mit dem Brennstoff oder doch eher mit dem Baujahr zusammen?

Fakt ist jedoch, daß diese neueren Spiritusmodelle deutlich mehr Licht geben als mein umgebautes Benzinmodell. Woran dies liegt, vermag ich nicht zu ergründen, denn durch Tausch von Docht, Düse und Brenneroberteil ist kein eindeutiges Ergebnis zu erzielen. Was auf jeden Fall bleibt, ist bei den Spiritistinnen auch der höhere Geräuschpegel und die Abneigung gegen zu lange Glaszylinder: Der Zug wird zu hoch, das Licht dunkler, im Extremfall orgelt es sogar im Glas. Sie leuchten wesentlich ruhiger und heller mit kürzerem Zylinder; noch besser, wenn man eine große, gelochte Scheibe als Zugdrossel obenauf legt.

Titolandi II mit SchirmAus Flachmessing entstand unter Zuhilfenahme des „Hartluftbrenners“ ein dreiarmiger Schirmhalter für einen alten Glasschirm aus dem Fundus. Mit ihm verbreitet die Lampe ein helles, aber weiches und gemütliches Licht, was bei Spiritusglühlichtern nicht immer einfach hinzubekommen ist.

Schirmhalter

Verschiedene GlühkörperAuch habe ich das Basteln zum Anlaß genommen, das Thema „Glühkörper“ nochmals aufzugreifen. Inzwischen hat sich ja bei mir mit den Glühlichtern einiges getan, und die ersten Versuche mit Petromax«-artigen Glühkörpern waren im Vergleich alles andere als wirklich zufriedenstellend.

Betrachtet man einmal den links im Bild gezeigten originalen Titolandi-Glühkörper, so stellt man fest, daß das Gewebe der von mir verwendeten Coleman«-1111-Typen sehr ähnlich ist. Ebenso ist für die Aufhängung keine Konstruktion aus Draht o.ä. notwendig, sondern das Original besitzt auch nur eine Schlaufe aus durchgezogenem Asbestfaden. Dafür kann man ja am einfachsten den bereits eingezogenen Anbindefaden verwenden. Der Glühkörper wird also umgekrempelt, unten die Naht abgeschnitten und oben aus dem Faden ein Ring mit etwa 10mm Durchmesser geknüpft; die Enden werden einmal durchgeführt und zum Aufhänger verknotet.

Durch Verwenden eines Halteringes aus Magnesia, wie er von z.B. von einem VERITAS« G916 Upright Gas Mantle (leider oftmals recht schnell als einziges) übrigbleibt, an den der Glühkörper gebunden wird, läßt sich eine etwas schlankere Form erzielen. Allerdings muß dazu eine passende Haltegabel besortgt oder gefertigt werden. Das kann man recht einfach aus 3mm Schweißdraht. Ein Ende warmmachen und breit ausschmieden. Mit feinem Sägeblatt oder Minitrennscheibe spalten und wieder warm in Form biegen. Die Länge des Gabelstiels richtet sich danach, wie gut die Formen von Flamme und Glühkörper zusammenspielen, muß also experimentell ermittelt werden. Also kurz anfangen und dann nach Bedarf längersägen. ,-)

Eine untere Befestigung ist nicht notwendig, die Glühkörper sind trotz Wackelns erstaunlich haltbar.

Die zwei hier näher gezeigten Lampen verbleiben bei mir und sind in Betrieb. Wo eine dritte in Betrieb ist, weiß der Weihnachtsmann. Zwei wurden verkauft – es ist also nichts mehr zu haben!